Wege zu einer besseren Vereinbarkeit

05.12.2016

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Zusammenhang mit der Einführung von Tagesschulen war Thema am diesjährigen Podium Pestalozzianum.

Die Stadt Zürich möchte bis ins Jahr 2025 eine flächendeckende Ganztagesbetreuung einführen. Grund dafür ist der steigende Bedarf an ausserfamiliären Betreuungsangeboten. Dazu führt sie zurzeit das Pilotprojekt «Tagesschule 2025» durch. Die Stiftung Pestalozzianum hat Ende November an ihrer traditionellen Podiumsveranstaltung die Thematik aufgenommen und dabei die Vereinbarkeit von Familienleben und Berufstätigkeit sowie der Rolle der Schule im Zusammenhang mit der Einführung von Tagesschulen ins Zentrum gerückt.

An der Diskussion nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Berufsbranchen teil: Diversity-Spezialistin Olivia Frei von der AXA Winterthur, Volksschulamt-Chefin Marion Völger, Journalistin Nicole Althaus von der NZZ am Sonntag sowie Michael Geiss, Leiter der Forschungsstelle Bildung im Arbeitsleben der Universität Zürich. Die Leitung des Gesprächs hatte Kantonsschullehrer und Autor Michael Pfister.

Die Podiumsgäste waren sich darüber einig: Schule muss sich an veränderte gesellschaftliche Erwartungen anpassen. Da diese Erwartungen aber recht heterogen sind, steht die Einführung einer Ganztagesbetreuung nicht in allen Gemeinden zuoberst auf der bildungspolitischen Agenda. Und auch wenn sie eingeführt wird, macht sie alleine die Wunschvorstellung einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht wahr.

Wichtig sei es zum einen, die Auswirkungen von Elternschaft auf Berufskarrieren und auf Arbeitsstrukturen genauer zu untersuchen. Zum anderen müsse eine familienfreundlichere Arbeitskultur herrschen: Neben der Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten und flexible Arbeitszeitmodelle bereitzustellen, brauche es auf Seite der Arbeitgeber die Bereitschaft, auf sich verändernde Bedürfnisse der Mitarbeitenden einzugehen und entsprechend neue Wege zu finden.

Nicht nur in der Arbeitswelt, sondern gesamtgesellschaftlich müsse ein Umdenken stattfinden: Fest verankerte geschlechterspezifische Rollenbilder verhindern eine echte Gleichberechtigung und stabilisieren ein Ungleichgewicht in der Arbeitswelt, bei der Kinderbetreuung und bei familiären Aufgaben. Ein solches Umdenken müsste dann auch Konsequenzen auf Sozial-, Familien- und Bildungspolitik haben.