Polnisches Bil­dungs­ministerium zu Besuch

14.12.2016

Am 8. und 9. Dezember 2016 weilte eine Delegation des polnischen Bildungsministeriums an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Im Zentrum des Interessens stand die Anwendung der Internationalen Klassifikation für Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF).

Bei der Anwendung der ICF nimmt die Schweiz weltweit eine Vorreiterrolle ein, insbesondere wenn es um das Bildungssystem geht. Bereits 2005 wurden im Kanton Zürich die ICF-basierten Schulischen Standortgespräche (SSG) im Rahmen des neuen Volksschulgesetzes eingeführt und 2011 löste das Standardisierten Abklärungsverfahren (SAV) die vorgängig von der Invalidenversicherung festgelegten Kriterien für die Sonderschulung ab. Die ICF gilt seit der Verabschiedung der Behindertenrechtskonvention (BRK) durch die Vereinten Nationen als neuen Standard für die Erfassung und die Einschätzung von Behinderungen.

Die polnische Delegation mit Zuzanna Kita und Judith Hollenweger in der Mitte.

Die erfolgreiche Einführung der ICF in der Schweiz wird weltweit beachtet und führt immer wieder zu entsprechenden Anfragen, sei es direkt durch die Vereinten Nationen und ihre Organisationen oder als Ergebnis der Zusammenarbeit der Schweiz mit anderen europäischen Ländern im Kontext der Europäischen Agentur für sonderpädagogische Förderung und Inklusive Bildung. Letztere Kontakte führten zur Anfrage Polens, bei der Einführung der ICF behilflich zu sein.

Nach mehreren Gesprächen mit den verschiedenen Akteursgruppen in Polen wollte sich das polnische Bildungsministerium nun direkt vor Ort informieren; wie genau wird die ICF angewendet? Die Voraussetzungen in Polen sind anders als in der Schweiz; dort ein sehr zentralisiertes System, wo viele Elemente aus sozialistischer Zeit weiterhin ihre Wirkung entfalten, hier eine dezentrale Struktur, die sich stärker auf Konsens als auf Dekrete abstützt. Das führt natürlich zu Erklärungsbedarf und Diskussionen über mögliche Anpassungen.

Die Delegation wurde von Zuzanna Kita vom Generalsekretariat der PH Zürich in ihrer Landessprache begrüsst und während der zwei Tage betreut. Judith Hollenweger, Professur «Bildung und Diversität» an der PH Zürich, organisierte den Besuch, Stand Rede und Antwort zur Anwendung der ICF in der Schweiz und vermittelte die Besuche in der Bildungsdirektion und dem Schulpsychologischen Dienst Horgen. Die Einführung der ICF im polnischen Bildungsministerium ist beschlossene Sache – es wird wohl nicht der letzte Besuch gewesen sein.