Jugendliebe: Schön und ganz schön schwierig

11.11.2016

Anfang November 2016 fand an der PH Zürich eine Tagung zu Gewalt in jugendlichen Liebesbeziehungen statt – ein Thema, das noch wenig erforscht ist.

Die in der Öffentlichkeit verübte Gewalt von Jugendlichen ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Dafür rückt Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen, die sich in einem privateren Rahmen abspielt, vermehrt in den Fokus von Forschung und Medien. Die PH Zürich, die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich und die Bildungsdirektion des Kantons Zürich nahmen dies zum Anlass, die Tagung «Gewaltige Liebe – Prävention von Gewalt in jugendlichen Liebesbeziehungen» zu organisieren. Referate und Workshops boten Gelegenheit, über Ursachen, Erscheinungsformen und Prävention von Gewalt in jugendlichen Liebesbeziehungen zu diskutieren.

Heinz Rhyn, Rektor der PH Zürich, hob die Rolle der Schule als Lebens- und Erfahrungsraum hervor: «In der Schule lernen die Kinder und Jugendlichen die Welt kennen, indem sie sich mit ihrer Vielfalt, miteinander und mit sich selbst auseinandersetzen.» Auch der Lehrplan 21 leiste einen wichtigen Beitrag zum Thema, indem er Kompetenzen bezüglich Geschlechterrollen, Klischees, Beziehung und Sexualität beschreibe. Stadtpräsidentin Corine Mauch betonte in ihrem Eingangsreferat, Gewalt in Liebesbeziehungen sei keine Privatsache. «Wir müssen am Thema dranbleiben, Allianzen bilden und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten finden», sagte sie. Entsprechend wichtig sei die Zusammenarbeit zwischen der Fachstelle für Gleichstellung, der Bildungsdirektion und der PH Zürich.

Im Anschluss präsentierten Denis Ribeaud und Margit Averdijk von der Kriminologischen Forschungseinheit der ETH Zürich die jüngste Studie zu Gewalterfahrungen von Jugendlichen im Kanton Zürich. Dabei zeigte sich, dass schon viele der befragten Jugendlichen Gewalt in Partnerschaften erlebt haben. Eine grosse Mehrheit wurde zumindest bereits mit Kontrolle und Überwachung durch den Partner oder die Partnerin konfrontiert. Eine Podiumsrunde mit den Referierenden, Medienpädagogin Friederike Tilemann von der PH Zürich und Sabine Ziegler, Schulleiterin an der Oberstufe Liguster in Zürich, diskutierte über die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Präventionsprojekten und rundete den ersten Programmteil des Morgens ab.

Interaktiver Audiorundgang

Nach einer kurzen Pause brachen die Teilnehmenden zu einem interaktiven Audiorundgang auf. Ausgerüstet mit Kopfhörern wurden sie von der Medien- und Theaterfalle Basel durch die Häuserschluchten und die Shoppingmall der Europaallee geführt. Dabei trafen sie auf Schauspielerinnen und Schauspieler, die in kurzen Szenen darstellten, wie Spannungen zwischen Liebenden oder zwischen Jugendlichen und Eltern entstehen können.

Am Nachmittag nahmen verschiedene Workshops die Themen der Tagung nochmals auf. Anschliessend kamen die Teilnehmenden erneut im Hörsaal zusammen, wo Lukas Geiser und Sibylle Mathis von der PH Zürich sowie Martha Weingartner von der Fachstelle für Gleichstellung erste Einblicke in das Präventionsprogramm «Herzsprung – Freundschaft, Liebe, Sexualität ohne Gewalt» präsentierten. Im Auftrag der Fachstelle für Gleichstellung überarbeitet die Arbeitsstelle für Lehrmittel der PH Zürich derzeit das Programm. 2018 soll es für die Schulen zur Verfügung stehen. Das allerletzte Wort hatte schliesslich Rapperin KimBo, die dazu aufrief, sich gegen Übergriffe zu wehren.